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Portugal: Städtetrip nach Lissabon – Hügel, Fluss und Mee(h)r

In Anlehnung an das Buch „Im Nachtzug nach Lissabon“ hatte ich ursprünglich überlegt per Interrail in die portugiesische Hauptstadt zu reisen. Wegen der beachtlich langen Zugfahrtzeit von München aus, entschied ich mich kurzfristig dann doch für die konventionelle Anreise per Flieger. Mit einem Zwischenstopp auf dem Flughafen in Barcelona traf ich am frühen Abend, Anfang November 2013, in Lissabon ein. Ich erinnere mich noch sehr gut an die tolle Abendstimmung, die mir von der Altstadt Lissabons – dem Bairro Alto – entgegenwirkte: So kitschig es klingen mag, die Stadt wirkte magisch. In den folgenden Tagen verfestigte sich in mir und meiner Reisebegleitung dieser Eindruck, denn Lissabon ist eine äußerst vielseitige Stadt mit bezauberndem Charme!

Die portugiesische Hauptstadt ist sehr hügelig und fällt in Richtung des breiten Stroms Tejo flach ab. Dieses geografische Merkmal bringt uns auch gleich zu einem Wahrzeichen der Stadt – den gelben Straßenbahnen, die zügig durch die kurvigen, teils steilen Enggassen der Innenstadt brausen. Besonders schön ist eine Fahrt in der historischen Linie 28, die viele Sehenswürdigkeiten abfährt und einen komfortablen Überblick über die Innenstadt gewährt.

Städtetrip nach Lissabon – Hügel, Fluss und Mee(h)r -Lissabon Balkon (c) Verena Berbüsse für www.reise-berichten.de

Auf den bebauten Stadthügeln tauchen von Stelle zu Stelle kleine balkonartige Ausbuchtungen auf, von denen aus man über die Stadt schauen kann und zur Ruhe kommt.

Free Walking Tours mit Weitsicht – über den Dächern der Stadt

Free Walking Tours werden mittlerweile in zahlreichen großen Städten rund um den Globus angeboten – so auch in Lissabon. Das Konzept ist simpel: dem interessierten Urlauber wird eine freie Stadtführung geboten, gefällt sie, kann und soll mit einem Trinkgeld belohnt. Aus meiner Erfahrung heraus handelt es sich bei den Tour-Guides oft um lokale Einwohner der jeweiligen Stadt. Dies verschafft den grandiosen Vorteil, dass der Städtetripper gleich besonders tiefe Einblicke in Historie und vor allem auch Gegenwart des Stadtlebens gewinnt. Während der Lissaboner-Tour berichtet unser Guide darüber, was es mit der typischen Kacheloptik vieler Häuser auf sich hat, dass in Lissabon selbstverständlicher Weise auch die Nachbarn auf spielende Kinder in den Gassen Acht geben und wo sich das älteste Urinal Portugals befindet. Einkehrtipps und Einschätzungen zu Ausflugszielen werden gerne von den Tour-Guides beantwortet.

Städtetrip nach Lissabon – Hügel, Fluss und Mee(h)r -Lissabon Wandkacheln (c) Verena Berbüsse für www.reise-berichten.de

In Belém wird es historisch und es riecht nach Frischgebackenem

Auf dem Leihrad durch den Hafen in Richtung des Torre de Belém entdeckt man eine neue, „moderne“ Seite der Stadt. Am Hafen reihen sich Restaurants neben Fahrradläden und Online Agenturen. So „unterfährt“ man die rote Ponte 25 de Abril und taucht auf einmal in amerikanischen Flair ein; denn auch die Golden Gate Bridge in San Francisco wurde von der American Bridge Company erbaut und weist merkliche Ähnlichkeiten zu der Lissaboner Stahlbrücke auf.

Städtetrip nach Lissabon - Hügel, Fluss und Mee(h)r- Brücke Lissabon (c) Verena Berbüsse für www.reise-berichten.de

Ziel unserer entspannten Radtour entlang des Tejo ist der Torre de Belém, im gleichnamigen Stadtteil Belém. Das freistehende Gebäude stammt aus dem 16. Jhd. und diente lange Zeit als Wachturm. Ursprünglich gab es auch einen Zwillingsturm am gegenüberliegenden Ufer. In seiner Zerstörungswut hat das Lissaboner Erdbeben den Doppelgänger allerdings 1755 dahingerafft. Der mittlerweile als Aussichtsplattform umfunktionierte und zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte übrige Turm ist nahezu vollständig vom Wasser des Tejo umschlossen – der Fluss mündet an dieser Stelle außerdem ins Meer: Ein insgesamt faszinierender Anblick, den ich jedem wärmstens ans Herz lege. 😉 Belém hat für Besucher noch weitere Asse im Ärmel. Neben dem „Torre“ findet man zum Beispiel direkt am Ufer das Denkmal Padro dos Descobrimentos – ein den seefahrenden Entdeckern gewidmetes, sehr imposantes steinernes Monument. Landeinwärts wartet das Kloster Mosteiro dos Jerónimos (ebenfalls Weltkulturerbe) und eine paar Gehminuten weiter die Bäckerei Fábrica dos Pastéis de Belém mit ihren unwiderstehlich guten und warmen (!) Pastéis de Nata. Der Preis für diese Blätterteigspezialitäten liegt bei knapp 1€ das Stück.

Und weil wir schon bei den kulinarischen Spezialitäten sind: Portugal steht natürlich auch für Portwein. In den Lissaboner Restaurants ist ein Glas des blumigen Vinos ab 5€ zu kriegen – eine Flasche mit vernünftiger Qualität bekommt man davon im Getränkemarkt ab 20€.

Raus aus der Stadt! Ab in die Berge und ans Meer

Tagestrips nach Sintra und Cascais bieten sich an, wenn man sich für einen längeren Zeitraum in Lissabon eingemietet hat. Beide Orte sind auf ihre Weise sehenswert. Als Standort mehrerer Schlösser ist Sintra kitschig schön und touristisch. Wir entscheiden uns für den Palácio Nacional de Pena  von Ferdinand II. – ein ziemlich einmaliger Ort: Thronend auf dem Berg überschaut man von hier den riesigen Garten, die Wälder und hinab ins Tal zum Meer. Auf der Sonnenterasse des gelben Schlosses kann man sich nach der Besichtigung einen Kaffee gönnen.

Städtetrip nach Lissabon - Hügel, Fluss und Mee(h)r - Palácio Nacional de Pena (c) Verena Berbüsse für www.reise-berichten.de

Weiter unten und am Meer liegt der Fischerort Cascais. Im Ortskern finden sich viele Restaurants und kleinere Läden. Der Hafen eignet sich perfekt zum Beobachten der Fischerboote. Von Cascais aus kann man weiter an der Meeresküste entlang wandern oder radeln, um nach Surfern Ausschau zu halten. Bei unserem Besuch ist das Meer allerdings zu stürmisch für diese Sportart.

Städtetrip nach Lissabon - Hügel, Fluss und Mee(h)r - Cascais (c) Verena Berbüsse für www.reise-berichten.de

Ganz unverhofft kriege ich selbst bei meiner Abreise noch ein Highlight geboten: Die Fahrt über die Autobahnbrücke, der Ponte Vasco da Gama, einer der längsten Brücken der Welt – und die Sonne geht gerade über dem Fluss unter. 🙂 Das Fazit unseres Lissabon-Trips: Es war ein wunderbarer Aufenthalt und es gibt noch so viel zu entdecken – wir kommen wieder!

Verena BerbüsseEin paar Informationen zur Autorin: Dieser schöne Reisebericht über Lissabon wurde uns von Verena Berbüsse zur Verfügung gestellt. Was sie sonst außer Portugal-Reisen so treibt, findet Ihr in Form weiterer Berichte und Buchrezensionen u.a. auf Ihrem Blog und Ihrer Google+ Seite.

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