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Mit der NYC Subway Art Tour durch das größte Kunstmuseum der Welt – die New Yorker U-Bahn

Die New Yorker U-Bahn ist für viele Dinge berühmt und berüchtigt. Aber dass ihr Betreiber, die New Yorker Verkehrsbetriebe Metropolitan Transportation Authority (MTA) bereits seit den frühen 1980er Jahren mit der sukzessiven Renovierung der 468 Bahnhöfe zugleich ein gigantisches Kunstprojekt vorantreibt, wissen demgegenüber die wenigsten bzw. wird von vielen Reiseführern schlichtweg nicht erwähnt (siehe dazu u.a. auch den großen New York Reiseführer Vergleichstest).

Dies ist insofern erstaunlich, als nahezu jeder, der in New York die U-Bahn benutzt, über kurz oder lang an einem der Kunstwerke vorbeiläuft. Sozusagen ein komplettes Kunstmuseum, das einerseits 24 Stunden am Tag geöffnet hat und anderseits zum Preis einer Metrocard ($ 2,50) besichtigt werden kann. Grund genug, der Sache hier im Rahmen der reise-berichten.de nachzugehen. Konkret: Ich habe im Dezember 2014 die NYC Subway Art Tour mitgemacht (www.nycsubwaytour.com).

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Einfahrt MTA R-Train in eine New Yorker Subway-Station (c) 2014 Sven Giese

Das New Yorker MTA-Kunstprogramm Arts for Transit

Unter dem Namen Arts for Transit betreibt die MTA zusammen mit der Stadt New York seit den frühen 1980er Jahren ein Kunstprogramm, mit dem inzwischen 215 der insgesamt 468 New Yorker U-Bahnstationen mit hochkarätigen Kunstwerken und Installationen bestückt wurden. Und dies zu nicht unbedingt günstigen Konditionen. Denn ca. 31 Milliarden US-Dollar hat die Stadt New York bis dato in die Renovierung des völlig maroden U-Bahnnetzes mit seinen 370,1 Streckenkilometern und über 1.355 Kilometern an Gleisen gesteckt. Ziel dieses Unternehmens: Die am 27. Oktober 1904 eröffnete New Yorker Subway, zugleich eine der ältesten U-Bahnnetze der Welt, wieder zu ihrem ursprünglichen Glanz zu verhelfen. Knapp die Hälfte ist gerade mal fertig, wobei in dieser Rechnung die neu geplanten Linien noch nicht mit eingerechnet sind.

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Eingang Subway Station 57th Street/7th Ave (c) 2014 Sven Giese

Woher kommt nun also das Geld für die Kunstwerke? Die Stadt New York legt sicherlich großen Wert auf das Renommee der Kunst und ihrer zahlreichen Museen, so ganz freiwillig war die Initiative für das Arts for Transit-Programm ursprünglich allerdings nicht. Denn diese geht auf einen gesetzlichen Erlass von 1982 zurück, mit dem verfügt wurde, dass jeweils 1 Prozent des geplanten Baubudgets für den Bereich der Kunst ausgegeben werden musste. Mit diesem Geld ist inzwischen aber ein gigantisches Untergrundmuseum entstanden, welches über 300 Werke und Arbeiten von solch namhaften Künstlern wie Romare Bearden, Sol LeWitt, Roy Lichtenstein, Maya Ying Lin, Tom Otterness, Faith Ringgold, Robert Wilson und vielen anderen beherbergt. Darüber hinaus wird auf diesem Weg aber auch die Lizensierung der Musiker in der New Yorker U-Bahn finanziert. Das ist aber eine andere Geschichte.

Das MTA-Informationsangebot – Website, App und Buch

Obwohl böse Zungen nach wie vor behaupten, dass die im Rahmen von Arts for Transit ausgestellten Werke zu den bestgehüteten Geheimnissen der Stadt gehörten, liefert die MTA auf ihrer Website eigentlich alle Informationen, um das Kunstmuseum im New Yorker Untergrund auf eigene Faust zu erkunden. So finden sich hier neben den Hintergründen zu dem Kunstprogramm eben auch detaillierte Beschreibungen aller aktuell vorhandenen Kunstwerke inkl. ihrer Position und mit welcher der 26 U-Bahnlinien man sie erreichen kann. Wie gesagt, zum Eintrittspreis einer Metro-Karte bekommt man hier eine ganze Menge geboten.

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Musiker in der U-Bahn-Station Times Square/42nd Street (c) 2014 Sven Giese

Zwar ist das Informationsangebot diesbezüglich sehr umfangreich und liefert alle Daten und Fakten, jedoch sollte die MTA dringend etwas an der Website machen. Denn weder grafisch noch technisch entspricht diese leider dem Stand 2014/2015. Immerhin gibt es aber eine kostenlose App, mit der man sich direkt vor Ort alle Informationen über die Kunst in den jeweiligen U-Bahnstationen auf sein Smartphone holen kann. Praktisch ist hier auch das Feature der integrierten Podcasts, mit denen man den passenden Audiokommentar immer dabei hat. Funktioniert, mobiles Internet und GPS vorausgesetzt, auch ganz gut. Offline ist die App allerdings nur bedingt nutzbar.

Weitere Informationen zu Arts for Transit

Wer den digitalen Informationskanälen nicht traut, dem empfehle ich unbedingt einen Blick in den im November 2014 in einer neuen Auflage erschienen Bildband Along the Way, in dem die Projektdirektorin Sandra Bloodworth einen ausführlichen und informativen Blick auf das Projekt Arts for Transit wirft. Wer in nächster Zeit in New York ist, findet das Buch u.a. auch im Transit Museum Store in der Grand Central Station. Aber auch die meisten anderen Buchhandlungen in Manhattan sollten ein paar Exemplare vorrätig haben:

New York’s Underground Art Museum-MTA Arts and Design - Cover smallKurzinfo zum Buch
New York’s Underground Art Museum: MTA Arts and Design
Autor: Sandra Bloodworth
The Monacelli Press 2014
ISBN-13: 978-1580934039
264 Seiten – 22,7 x 3 x 26,3 cm – Preis: ca. 37,00 € (50,00 $)
Website: The Monacelli Press

Darryl Reilly und die NYC Subway Art Tour

Ehrlich gesagt wusste ich bis kurz vor meinem letzten New York-Trip im Dezember 2014 auch noch nicht allzu viel über das Arts for Transit-Programm. Noch weniger über die Kunstwerke, die man in der New Yorker Subway sehen kann. Eher zufällig stolperte ich während der Reiseplanung dann über einen Hinweis im nycgo.com-Newsletter, der NYC Subway Art Tour als eine der Top10 New York-Touren des Winters anpries. Neugierig geworden habe ich kurzerhand für Mittwoch, den 10. Dezember 2014 gebucht und wurde, so viel sei vorweg genommen, definitiv nicht enttäuscht.

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Jack Beal: „The Return of Spring/The Onset of Winter“ (Times Square/42nd Street) (c) 2014 Sven Giese

Die Teilnahme an der Tour kostet einmalig $ 25 und kann völlig unkompliziert über die Website nycsubwaytour.com gebucht werden. Nach Zahlung per Kreditkarte (alternativ geht auch PayPal) erhält man eine Bestätigungsmail mit einem Voucher. Diesen soll man ausgedruckt am Tag der Tour mitbringen. Wurde bei mir aber nicht weiter kontrolliert.

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Mark Hadjipateras: „City Dwellers (for Costas and Maro)“ (28th Street) (c) 2014 Sven Giese

Durchgeführt wird die Tour von dem gebürtigen New Yorker Tour Guide Darryl Reilly, der wirklich eine ganze Menge über die Kunstwerke der New Yorker zu berichten weiß. Start der Tour war morgens um 10:00 Uhr im Cosi Cafe (51st Street/Ecke Broadway), das praktischer Weise direkt um die Ecke meines Hotels (citizen M Hotel New York West 50th Street) lag. Sozusagen ein 2-minütiger, kurzer Fußweg von Haustür zu Haustür. Zusammen mit zwei Damen aus Texas startete die Tour dann auch pünktlich nach einer kurzen Begrüßung mit, man ahnt es schon, einer U-Bahn-Fahrt zum Times Square/42nd Street.

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Mark Hadjipateras: “City Dwellers (for Costas and Maro)” (28th Street) (c) 2014 Sven Giese

Ich muss Darryl an dieser Stelle ausdrücklich für seine absolut professionelle Einstellung loben, denn neben der kleinen Gruppe von lediglich drei Teilnehmern (die beiden Damen aus Texas und meine Wenigkeit) und einem kalten, verregneten New Yorker Mittwochmorgen im Dezember, schleppte unser Tour Guide auch noch eine Erkältung mit sich rum. Insofern großen Respekt, dass er die ca. 3-stündige Tour trotzdem durchgezogen hat. 🙂

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Keith Godard: „Memories of Twenty-Third Street“ (23rd Street) (c) 2014 Sven Giese

Was erwartet einen nun auf der Tour? Zunächst mal eine ganze Menge U-Bahn-Fahren und auch einige Meter, die es zu laufen gilt. 😉 Man sollte schon gut zu Fuß sein, um die Tour mitmachen zu können. Die NYC Subway Art Tour startet an der zuvor genannten Station und bewegt sich wesentlich in einer großen Rundfahrt, die von Midtown Manhattan runter bis nach Brooklyn und wieder zurückgeht. Keine Sorge, das Metro-Ticket ist im Preis der Tour bereits enthalten und man muss sozusagen nur noch einsteigen.

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Timothy Snell: „Broadway Diary“ (8th Street-NYU) (c) 2014 Sven Giese

Auf der Rundfahrt, die sich in kleinen Schritten von Station zu Station hangelt, lernt man zahlreiche Kunstwerke und ihre Hintergründe kennen. Anfangs hatten wir noch etwas mit den letzten Ausläufern der New Yorker Rush Hour zu kämpfen, aber im Prinzip ist es eine recht entspannte Sache.

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Janet Zweig and Edward del Rosario: „Carrying On“ (Prince Street) (c) 2014 Sven Giese

Darryl hält die Gruppe zusammen, kennt die Strecke wie seine Westentasche und sorgt dafür, dass alle Schritt halten können. Muss dabei aber auch schon mal ein gehöriges Tempo vorlegen. 😉 Darüber hinaus kennt er nahezu jedes Detail zu den einzelnen Werken (Künstler, Entstehung, die verwendeten Materialien), erklärt jeweils kurz ihre Entstehungsgeschichte und den Bezug zum Gesamtkosmos New York (viele der Installationen haben einen direkten thematischen Bezug zu der Gegend, in der die jeweilige U-Bahn-Station lokalisiert ist) und beantwortet geduldig unsere Fragen bzw. gibt Tipps, was man sich in Ergänzung zum Gesehenen noch anschauen kann. Natürlich bleibt auch genügend Zeit, um Fotos zu machen.

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Bing Lee: „Empress Voyage“ (Canal Street) (c) 2014 Sven Giese

Auf dem zumeist unterirdischen Rundkurs lernen wir in Manhattan die Arbeiten von u.a. Roy Lichtenstein, Jack Beal, Toby Buonagurio, Jane Dickson und Jacob Lawrence (Times Square/42nd Street), Mark Hadjipateras (28th Street), Keith Godard (23rd Street), Mary Miss (Union Square/14th Street), Tom Otterness (14th Street), Timothy Snell (8th Street), Janet Zweig und Edward del Rosario (Prince Street), Bing Lee (Canal Street) kennen.

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NYPD 9/11 Memorial (c) 2014 Sven Giese

Alle durch kurze U-Bahnfahrten von 1-2 Stationen voneinander entfernt. Die einzig längere Fahrt (ca. 10 Minuten) führt dann aber auch über die Manhattan Bridge nach Brooklyn und bietet zugleich einen schönen Blick auf die Skyline von Lower Manhattan inkl. der Brooklyn Bridge. Obwohl bei Tageslicht längst nicht so spektakulär wie am Abend, ist dies – gerade für NYC-Neulinge – ein kleines Highlight der Tour.

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Tom Otterness: „Life Underground“ (14th Street/Eight Avenue) (c) 2014 Sven Giese

In Brooklyn gibt es dann die Werke von Stephen Johnson und Bill Brand (DeKalb Avenue) zu bewundern. Danach geht es wieder zurück nach Manhattan, natürlich nicht ohne weitere Zwischenstopps und Besichtigung von Kunstwerken.

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Darryl Reilly vor Tom Otterness: “Life Underground” (14th Street/Eight Avenue) (c) 2014 Sven Giese

Weitere Informationen zur NYC Subway Art Tour

Fazit: Wie erkundet man am besten die New Yorker U-Bahn-Kunst?

Ich will an dieser Stelle aber nicht zu viel über die einzelnen Stationen verraten, ihr sollt die Tour am besten selbst machen. Zwar kann man sich alle Informationen auch über die eingangs genannten Quellen ziehen, nur bedarf das einer ganzen Menge an Recherche und Vorbereitung. Wer die Zeit/Lust dazu hat, kann sich natürlich auf eigene Faust auf den Weg in den New Yorker Untergrund machen. Ich würde aber eher empfehlen, die Tour zu buchen und die eigenen Erkundungen mit dem dort erhaltenen Wissen im Anschluss anzugehen. Es ist definitiv ein Augenöffner, der einen danach die Subway und ihre Bahnhöfe mit ganz anderen Augen sehen lässt, vor allem aber den Blick für die zahlreichen Details schärft.

In diesem Sinne: Wer von Euch in nächster Zeit in New York ist und eine ausgefallene Tour buchen möchte, dem lege ich die NYC Subway Art Tour unbedingt ans Herz.

Weitere Links zu MTA Arts for Transit

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