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Ecuador: Quito in den Anden – Ein Liebesbrief aus 2800 Metern

Ich freue mich ja immer, wenn Menschen an mich herantreten und über Ihre Reisen berichten möchten. Und wenn es dann auch noch so charmant wie im Falle von Janet Binder ist, freue ich mich noch mehr. Manchmal ist dieses Facebook doch zu was zu gebrauchen. 😉 Janet befindet sich aktuell zusammen mit Fabian Zentel auf einer 12-monatigen Weltreise und lässt ihren Reisebegleiter, die kleine Ente Ducky, regelmäßig auf ihrem Blog www.duckyontour.de über die Erlebnisse und Eindrücke von unterwegs berichten. So auch im vorliegenden Gastbeitrag, in dem Ducky eine Liebeserklärung an die Stadt Quito in Ecuador für reise-berichten.de verfasst hat.  Nach Kolumbien – Alle Verlockungen Südamerikas und Argentinien – Spaziergang durch Buenos Aires also ein weiterer Artikel über Südamerika. Aber lest selbst.

Quito – ein Liebesbrief

Liebes Quito, nun ist es Zeit Abschied zu nehmen – die Zeit ist gekommen um Lebwohl zu sagen. Das zwischen uns, es war wahrlich keine Liebe auf den ersten Blick. Zwar wurdest du vor hunderten von Jahren beeindruckend auf den alten Ruinen der Inkas erbaut und deine Lage hoch oben in den Anden Ecuadors ist atemraubend, du streitest dich mit La Paz darum die höchstgelegenste Hauptstadt der Welt zu sein, bietest 2 Millionen Menschen ein Zuhause – aber all das hat noch nicht gereicht um mein Herz an dich zu verlieren.

Ecuador - Quito in den Anden – Ein Liebesbrief aus 2800 Metern - 12 - (c) 2014 www.duckyontour.de für www.reise-berichten.de

Du bist laut, an vielen Teilen bist du hässlich und du bist gefährlich – das haben mir zumindest dutzende Taxifahrer über dich erzählt als sie abends bei rot einfach über die Ampel gefahren sind und auch von so einigen Diebstählen wurde mir hier berichtet. Du hast mir öfter den Atem geraubt, als es sonst wer je könnte – an Sport war mit dir kaum zu denken, schon nach wenigen Seilsprüngen fehlte mir die Luft und ich war klatschnass geschwitzt. Das lag aber nicht alleine an deiner beeindruckenden Höhe von fast 2800 Metern, sondern auch an deinem hohen Verkehrsaufkommen und dem Smog der dich belegt. Du hast mir deutlich meine Grenzen gezeigt. Von vielen die in Ecuador ankommen wirst du nur als Ankunftsstadt – als Mittel zum Zweck wahrgenommen. Dennoch, du hast es geschafft, dass mich etwas mit dir verbindet, dass ich etwas in dir sehe, was man sicherlich nur sieht, wenn man längere Zeit mit dir verbringt. Ich habe lange überlegt und deine Vorteile und Nachteile genau abgewogen, bevor ich mich dazu entschieden habe dich für mehrere Wochen zu meinem zuhause zu machen.

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Du warst für mich in den vergangenen fünf Wochen mein Zufluchtsort, meine Homebase, mein „Gang zurückschalten auf der Weltreise“, mein zuhause. Ich habe es geliebt früh morgens kurz nach 6 aufzustehen und deinen wundervollen Sonnenaufgang Tag für Tag zu genießen – die Sonne strotzt früh morgens nur so vor Kraft über dir – nur schade, dass sie meist gegen 11 Uhr schon wieder hinter dicken Wolken, die wie ein Schutzschild über dir schweben, verschwindet. Ich liebe deine wunderschönen Menschen, die durch ihre Indianerabstammung einfach beeindruckend aussehen und uns mit offenen Armen empfangen haben.

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Ob Straßenverkäufer die sich immer Zeit nahmen mit den Weg zu erklären, die alte Dame in einem kleinen „Tante Emma“ Laden die sich einfach freundlich mit mir unterhalten wollte und sich riesig über mein gebrochenes Spanisch gefreut hat oder die Marktfrau die mir öfter noch eine Banane geschenkt hat – deine Menschen sind zauberhaft! Ich liebe deine zahlreichen Straßenhunde, denen es mit dir einigermaßen gut zu gehen scheint. Deine Menschen und die zahlreichen Hunde leben hier Seite an Seite.

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Strategisch gelegen bist du unschlagbar. Von deinem Standpunkt aus warst du für mich Ausgangspunkt zu vielen Abenteuern in Ecuador – dem Land in dem du selbst zuhause bist. Von dir aus war es nur ein kurzer Flugweg auf die einmaligen Galapagos Inseln, den berühmten Markt von Otavalo erreicht man in weniger als zwei Stunden per Bus, der paradiesische Ort Mindo liegt auch nur einen Buskatzensprung entfernt und selbst eine Tour in den Regenwald konnte ich von dir aus problemlos buchen.

Hier war ich im wunderschönen Dörfchen Mindo unterwegs, das gerade mal 2 Busstunden von dir entfernt liegt. Auch der Markt in Otavalo lässt sich von dir aus per Bus problemlos besuchen.

Per Flugzeug ging es von deinem Flughafen aus auf die Galapagos Inseln.

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Wir haben zusammen die Weltmeisterschaft gefeiert – ja, Partymachen kann man mit dir gut, an deiner Partymeile am Plaza Mariscal Foch jagd ein Club den nächsten und Nachtschwärmer sind hier genau richtig. Ja Quito – die schönste bist du nicht, aber das weißt du ja bereits. Trotzdem, du hast deinen ganz eigenen Glanz, deinen ganz eigenen Charme, deinen eigenen Stil der Stillosigkeit. Du bist bunt, chaotisch, durcheinandergewürfelt und kennst keine Rücksicht auf Formen und Farben. Wie viele Stunden ich damit verbracht habe durch dein farbenfrohes Labyrinth, vorbei an kleinen Geschäften, durch unzählige Gassen mit Straßenverkäufern, Musikern zu spazieren, ich kann es nicht sagen, aber jeden dieser Spaziergänge habe ich genossen.

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Egal wo ich in dir unterwegs war – in der historischen Altstadt, in einem deiner unübersichtlichen und chaotischen Vierteln oder in der modernen Neustadt, es ist faszinierend wie du dich durch die Berge schlängelst und überall in dir sind wunderschöne Bauwerke, Kirchen und Klöster neben kleinen selbstgezimmerten Häuschen und buntbemalten Verkaufsständen vor denen friedlich ein Straßenhund schlummert, zu finden. Dazu gönnst du deinen Besuchern einen unvergleichlichen Ausblick, du bist umgeben von den grünen Bergen der Anden. Wo, außer nah bei dir kann man außerdem so schön auf dem Äquator balancieren?

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Über dich außergewöhnliche Stadt wacht die „Virgen del panecillo“, die Jungfrau des Brötchens – angeblich weil der Berg auf dem sie steht wie ein Brötchen aussieht – einen solchen Namen kannst auch nur du vergeben.

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Sicher kann ich nicht jeden von dir überzeugen und sicherlich stimmen auch einige der negativen Geschichten, die man über dich hört. Ich kann nur für mich sprechen und habe mich mit ein bisschen Vorsicht zu keiner Zeit unsicher oder bedroht gefühlt. Wie jede große Stadt hast du deine Regeln, an die man sich halten sollte – aber man sollte dir unbedingt eine Chance geben, dich besser kennenlernen und vielleicht schließt man dich dann ins Herz. Ein Platz in meinem ist dir sicher.

Adios, in Liebe,
Ducky

ducky_logo2Der Gastbeitrag wurde Ducky zur Verfügung gestellt. Ducky befindet sich gerade mit Janet Binder und Fabian Zentel auf einer 12-monatigen Weltreise, wobei der Quietscheenterich ursprünglich aus einer Massenentenfabrik in China stammt, inzwischen aber in München lebt. Über die Erlebnisse während der Weltreise berichten Ducky, Janet und Fabian auf dem Blog: www.duckyontour.de. Darüber hinaus ist Ducky aber auch auf Facebook und Twitter zu finden.

Foto-Credit: Alle Bilder dieses Artikels wurden von Janet Binder zur Verfügung gestellt. (c) 2014 www.duckyontour.de

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